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Bericht

„Der Aufschwung bringt uns um“, meint Löhwing
CDU-Kommunalpolitiker besuchen Spedition in Gambach

[27.01.11] Im Rahmen ihrer Wahlkampftour begannen die Kommunalpolitiker der CDU Münzenberg im Januar mit einem Besuch bei einer der größten Arbeitgeber in der Stadt, der Spedition Löhwing im Stadtteil Gambach. Seniorchef Birger Löhwing und seine beiden Söhne, die für die Aufgabenfelder Disposition und Controlling innerhalb der Firma zuständig sind, hießen die Gäste herzlich willkommen, unter ihnen auch das Stadtoberhaupt Hans Jürgen Zeiß sowie Mitglieder aus Magistrat, Stadtparlament und Ortsbeirat. Im Kaminzimmer seines ehemaligen Familienhauses hat sich Birger Löhwing ein komfortables Büro eingerichtet. Dort berichtet er seinen Gästen bei Kaffee und Kuchen alles Wissenswerte über sein Unternehmen, das schon Vater Konrad gegründet hat. Geduldig beantwortet der Spediteur alle Fragen der Kommunalpolitiker der CDU.

In 40 Silozügen bewegen 60 Mitarbeiter seiner Spedition alles was trocken und staubförmig ist, wie z.B. Quarzsand, Granulat, Kunststoffpulver, Feldspat, Soda etc. innerhalb Deutschlands und dem benachbarten Ausland. 10 % der Güter, die in den riesigen Silozügen transportiert werden, sind Gefahrgüter. Die Fahrer wechseln im Schichtbetrieb alle 12 Stunden. Die LKW´s sind so die ganze Woche jeden Tag im Einsatz. Obwohl die Konkurrenz groß ist, vor allem aus den Ostländern, sind die Auftragsbücher voll. Denn Quarzsand, der im Umkreis von 450 km zu den Abnehmern gebracht wird, wird das ganze Jahr benötigt. Der Aufschwung hat im vergangenen Frühjahr begonnen. Während der Wirtschaftskrise 2009 musste sich das Unternehmen jedoch von 20 LKW´s trennen. Fahrer, die aus Altersgründen ausschieden, wurden nicht mehr ersetzt. Jetzt, wo es wieder aufwärts geht, ist es schwer, gute Fahrer zu bekommen. „Der Aufschwung bringt uns um“ so Birger Löhwing wörtlich. Auch die 50%ige Erhöhung der Mautgebühr in 2009 macht ihm schwer zu schaffen, denn die Industrie ist nicht bereit, die anfallenden Kosten von ca. 1 Mio. Euro pro Jahr voll zu tragen.

Trotz einer langjährigen Stammkundschaft kann Löhwing nicht auf feste Vertragspartner zurückgreifen, denn hier handelt es sich um ein reines Handgeschäft. Durch das Antikorruptionsgesetz bestehen so gut wie keine persönlichen Kontakte mehr. Die ganze Vertragsabwicklung läuft über das Internet. Teilweise muss er 20 bis 30 % mit seinen Angeboten runtergehen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Die Schwankungen bei den Spritpreisen bescheren ihm bei einem Verbrauch von 250.000 Liter im Monat mitunter bis zu 50.000 Euro Mehrkosten. Die Instandhaltung der LKW´s und die Einhaltung der Fahrzeiten bereiten dem Spediteur zusätzliche Kosten. Bei einer Lenkzeit von 2 x 4,5 Std pro Tag müssen die Fahrer mindestens 45 Minuten nach 4,5 Std Pause machen. Jede Bewegung des LKW´s wird von dem digitalen Tacho registriert und bei Abweichungen kann es zu empfindlichen Strafen kommen, je ½ Std. 30,00 € für den Fahrer und 60 € für den Disponenten. Von einer Überwachung der LKW´s durch Telematik hält der Spediteur jedoch nichts. Er sucht lieber das Gespräch mit dem Fahrer, denn die persönliche Betreuung seiner Mitarbeiter ist ihm wichtig. Die Abstandstraktionskontrolle, die gesetzlich nicht geregelt ist, findet Birger Löhwing sinnvoll und lässt sie nach Möglichkeit in jeden LKW für ca. 2500 Euro einbauen. Durch das System ist der Abstand zum Vordermann aber auch die seitliche Begrenzung gewährleistet. Bei Eis und Schnee wird es jedoch ausgeschaltet. Glücklicherweise ist bei den schlechten Witterungsbedingungen in den letzten Wochen nichts Schlimmes passiert. Dennoch kommt es öfters vor, dass einer seiner LKW`s einmal stundenlang im Stau fest hängt. Um die Lenkzeiten nicht zu überschreiten, müssen die Fahrer dann Parkplätze anfahren und die Nacht dort verbringen. Mitunter muss er auch dafür sorgen, dass die Fahrer getauscht werden. Das Speditionswesen ist ein hartes Geschäft mit großer Konkurrenz, das sowohl einen sehr hohen persönlichen als auch finanziellen Einsatz fordert, so Löhwing. Die Möglichkeit einer Expansion sieht er im Moment nicht, auch eine Kooperation hat sich bis jetzt nicht ergeben. Dennoch möchte er an dem Geschäft festhalten.

Nach dem umfangreichen und informativen Gespräch führt Birger Löhwing seine Gäste über den Betriebshof, wo sich die Werkstatt, die LKW-Waschanlage und eine 25.000 Liter umfassende Tankanlage befinden. Zum Abschluss wird noch einer der riesigen Silozüge auf dem Hof besichtigt bevor sich der Erste Vorsitzende Heinz Reuhl für das Gespräch bedankt.





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